Veröffentlichung des gemeinsamen Elternbeirats der Grund- und Mittelschulen der Stadt Fürth, Wasserstraße 4, 90762 Fürth – im Original zu finden seit 13.12.2021 unter https://www.geb-fuerth.de/aktuelles/

Sehr geehrte Damen und Herren,

die gemeinsamen Elternbeiräte von Grund- und Mittelschulen (GEB) haben sich zum Ziel gesetzt, die Interessen der Schülerinnen und Schüler sowie die der Eltern stets im Blick zu behalten und diese Interessen stets konstruktiv mit Stadt und Schulamt zu diskutieren. Es ist uns daher ein Anliegen, in regelmäßigen Abständen die aktuelle Stimmung zu erfassen und über eine Stellungnahme ein konsensuales Feedback zu äußern.

In den vergangenen unterschiedlichen Phasen der Corona-Pandemie haben wir uns regelmäßig engagiert und damit zur Verbesserung der Situation von Schülerinnen und Schüler beigetragen. Mit der Stellungnahme vom 4. April 2020 und der umfangreichen Umfrage im Laufe der ersten Phase der Schulschließung haben wir auf die Situation der Schülerinnen und Schüler in der Corona-Pandemie aufmerksam gemacht. Die Ergebnisse der Umfrage wurden von diversen Zielgruppen rezipiert und auch zusammen mit dem Schulamt diskutiert. Die gemeinsamen Anstrengungen zur Einführung von MS-Teams und die Berücksichtigung der Kritik aus der Elternschaft zeigt uns deutlich, dass sowohl Schulamt als auch die Stadt Fürth unsere Anliegen ernst nehmen und die Zusammenarbeit schätzen.

Es freut uns sehr, dass sich die Lage insbesondere bei der Nutzung digitaler Arbeitsmittel (MS-Teams, Antolin, Anton, etc.) sowie die digitale Kommunikation mit den Lehrkräften sehr zum Vorteil aller Beteiligten verbessert hat. Weiterhin begrüßen wir die immer wieder artikulierte Bedeutung der Schule für unsere Kinder und die Prämisse, dass die Schulen in dieser Phase der Pandemie nicht geschlossen werden sollen, damit der Präsenzunterricht aufrechterhalten werden kann.

Leider müssen wir jedoch an dieser Stelle auch aktuelle Probleme an den Schulen benennen, die in der Elternschaft zu großer Unzufriedenheit führen, die bei den Kindern zu unnötiger Unsicherheit und Belastung beitragen und die zur Überlastung der Lehrkräfte führen. Besonders bei der Belastung von Lehrerinnen und Lehrern sehen wir Handlungsbedarf, damit sich diese wieder verstärkt ihrer pädagogischen Kerntätigkeit widmen können.

Ein Ausschnitt der zurzeit wesentlichen Kritikpunkte ist im Folgenden aufgeführt:

  • Schülerinnen und Schüler bewältigen jede zusätzliche Corona-bedingte Auflage wie tägliches Testen und ganztägiges Tragen der Masken (auch im Sportunterricht). Weiterhin müssen sie adhoc Änderungen in ihrem Tagesablauf akzeptieren, sodass eine für die psychische Gesundheit wichtige und verlässliche Struktur oft nicht gegeben ist. Die Maßnahmen zum Gesundheitsschutz sehen wir selbstverständlich als erforderlich an, besonders im Grundschulbereich wo der aktive Schutz unter der aktuellen Infektionslast noch nicht umfassend gegeben ist. Gleichzeitig erkennen wir jedoch auch, dass es keinerlei Entlastung der Kinder gibt. Darüber hinaus entfallen Unterrichtseinheiten, die zum Stressabbau geeignet sind wie Sport, Musik, AGs, etc. Anhaltende Dauerbelastung ohne Ausgleich bei gleichbleibendem Leistungsdruck belastet die Kinder und bereitet den Eltern sehr große Sorgen.

  • Während die Kinder regelmäßig getestet werden und in ihrem Alltag große Einschränkungen akzeptieren, steigt die Inzidenz weiter an und positive Fälle an Schulen häufen sich. Die damit verbundene absolut notwendige Quarantäne der Kinder findet oft ohne Beschulung statt. Lehrerinnen und Lehrer sehen sich hier einer Doppeltbelastung ausgesetzt, da es kein Konzept (und keine technische Ausstattung (WLAN-Abdeckung) und kein Personal) für die gleichzeitige Abdeckung von Präsenz- und Distanzunterricht gibt. Kinder erhalten zwar zum Teil Aufgaben mit nach Hause, für Grundschulkinder ist dies jedoch nicht ausreichend. Ein täglicher Kontakt zur Lehrkraft, ein strukturierter Heimarbeitsplan sowie die Korrektur der Aufgaben sind unbedingt notwendig. Wir stellen fest, dass die Kinder oftmals auf sich allein gestellt oder auf die maßgebliche Unterstützung der Eltern angewiesen sind. Dadurch ist Bildungsgerechtigkeit nicht mehr gewährleistet und das nach fast 2 Jahren Bildungsmisere aufgrund von Corona. Die Schulen agieren hier unterschiedlich, wirken jedoch insgesamt überlastet. Eine systematische Vorbereitung auf komplettes oder anteiliges Home-Schooling aufgrund von Quarantäne erkennen wir nicht. Auch ein strukturiertes und von zentraler Stelle organisiertes Konzept, dass allen Schulen hilft die Abläufe zu optimieren, ist nicht erkennbar. Es mangelt an kreativen Lösungsansätzen und einheitlichen Vorgaben.

Gleichzeitig stehen die Lehrerinnen und Lehrer unter hohem Druck. Sie sollen das Standardcurriculum trotz Pandemie verfolgen, sich um die hohe Anzahl an Elternanliegen kümmern (vielfältiger und deutlich erhöht im Vergleich zum normalen Umfang), das Testen administrieren, die Testergebnisse überwachen und zügig (ohne Hilfestellung) die korrekten Maßnahmen einleiten. Dazu gehört es u. a. den Umfang der betroffenen Kinder zu identifizieren, die Eltern zu informieren und an der Schule zu kontrollieren, dass die betroffenen Kinder tatsächlich nicht erscheinen. Auch die Testadministration ist, beginnend mit dem Etikettieren von Teströhrchen oder der Überwachung von Selbsttests beim Reinigungspersonal ein enormer Zusatzaufwand, der zwar geleistet wird, aber der auch zu Lasten der pädagogischen Arbeit und der psychischen Gesundheit geht. Darüber hinaus soll die Lehrkraft, nachdem sie die relevanten Kontakte identifiziert hat, Übungsmaterial für die Quarantänezeit vorbereiten und die Beschulung der Kinder in Distanz organisieren. Sie sollen profund Präsenz- und Distanzunterricht mit medialer Unterstützung meistern ohne einen Fahrplan und Qualitätsvorgaben zu haben. Alle diese Zusatzarbeiten werden durch den hohen Mangel an verfügbaren Lehrkräften sowie durch krankheits- und schwangerschaftsbedingte Ausfälle zu einer weiter ansteigenden Belastung der Schulfamilie. Die pädagogische Arbeit und damit die Arbeit mit den Kindern, die unter oben genannter Belastung leiden, leidet darunter zunehmend. Die fehlende administrative Entlastung der Lehrkräfte (z.B. bei Corona-Tests oder wiederkehrenden Verwaltungsaufgaben) sehen wir hier als Schlüsselproblematik an, deren Beseitigung den Ausgleich der anderen Mängelzustände ermöglicht. Neben zusätzlichen Lehrkräften könnte administrative Unterstützung maßgeblich zur Entlastung beitragen.

Ansätze zum Umgang mit den genannten Problemen

Uns ist bewusst, dass die oben geschilderten Probleme schwer wiegen und nicht von Heute auf Morgen gelöst werden können. Umso wichtiger ist es kontinuierlich an den Ursachen der Probleme zu arbeiten, um eine weitere Verschlechterung zu vermeiden und für die nächste Phase der Krise besser vorbereitet zu sein.
Die aktuelle Situation stellt für alle Akteure rund um die Schule eine besondere und mittlerweile andauernde Belastung dar. Mit größtem Respekt erkennen wir die Bemühungen von allen Seiten an. Gleichzeitig lehrten uns die vergangenen Phasen der Pandemie, dass es besser ist, proaktiv zu agieren und gut vorbereitet Probleme anzugehen. Aus diesem Grund bitten wir alle Akteure koordiniert die anstehenden Anstrengungen als Chance wahrzunehmen, so dass der Aufwand der Lehrkräfte und Eltern sich auszahlt und die Belastung der Schüler reduziert werden kann. Die Sicherstellung eines möglichst hohen Bildungsstandards sowie die Gewährleistung von Bildungsgerechtigkeit sollen dabei das Leitbild der Maßnahmen sein.

Folgende Maßnahmen erachten wir als besonders hilfreich:

  1. Administrative Unterstützung der Lehrkräfte: alle Anstrengungen, die akute Personalnot zu reduzieren, bzw. die Lehrkräfte zu entlasten, sollen ausgeweitet werden. Eine administrative Unterstützung bei nicht-pädagogischen Themen wie bspw. IT Aufgaben, Organisation, Corona oder Corona-Tests können durch neue Mitarbeiter/innen geleistet werden. Hier kann die Akquise von nicht-pädagogischen Personal in Betracht gezogen werden. Für die Unterstützung bei pädagogischen Aufgaben sollte der Einsatz von Assistenzkräften (Schulassistenzen), Lehrerinnen und Lehrer mit aktueller Arbeitsbefreiung (Unterstützung von zu Hause, Lernmaterial bereitstellen) oder Studierender (Brückenbauer, u.a.) verstärkt in Betracht gezogen werden (Finanzierung aus dem Aufholprogramm des Bundes ist hier sinnvoller investiert, da die lernbezogenen negativen Folgen gemindert werden).
  2. Vorbereitung auf die Beschulung in Quarantäne Situationen: Ausarbeitung und Bereitstellung von bewährten Arbeitsmethoden (Konzepte im Baukasten-Prinzip) und Techniken zur fachgerechten Beschulung der Kinder in Quarantäne bis hin zum Digitalunterricht. Als Basiskonzept kann zum Beispiel die Verwendung vorgefertigter Lernmaterialien für einen bestimmten Zeitraum dienen. In dieser Konzeptidee arbeiten die Kinder im Präsenzunterricht mit Lernmaterialien, die den Stoff für zwei Wochen abdecken. Im Falle einer Quarantäne können die Kinder das Material direkt mit nach Hause nehmen bzw. abholen lassen. Am Ende einer Woche wird der schülerinnen- bzw. schülerspezifische Materialhefter wieder aufgefüllt, sodass kontinuierlich Lernmaterial verfügbar ist. Dabei handelt es sich nur um eine Konzeptidee. Sinnvoller ist die Bereitstellung verschiedener Konzepte nach einem Baukasten-Prinzip aus denen sich die Schulen die für sie effizientesten Maßnahmen bzw. erforderliche Ansätze entnehmen können. Die aktuellen Ansätze zur Problembewältigung werden von jeder Schule separat entwickelt, was wir für sehr ineffizient halten.
  3. Verwendung digitaler Arbeitsmittel im Schulalltag: Ausarbeitung und gemeinsame Bereitstellung bewährter Techniken und Methoden (im Baukasten-Prinzip) in Zusammenhang mit digitalem Unterricht (wie z.B. Schulungsmaterial und Nutzung von Teams, Padlets, Lern-Apps, Lern-Videos, u.a.). Damit kann unserer Ansicht nach insbesondere der Wechsel zwischen Präsenz- und Distanzphase für Lehrkräfte wie Schülerinnen und Schüler erleichtert werden. Außerdem werden damit gewisse fachliche Standards für den digitalen Unterricht erst möglich. Der Kontakt zu den Schülerinnen und Schülern über MS-Teams kann außerdem bereits jetzt eingeübt.
  4. Beschulung von Kindern in Quarantäne durch eine Lehrkraft (ggf. klassenübergreifend) sicherstellen durch bspw. Assistenzkräfte, Lehrerinnen und Lehrer mit aktueller Arbeitsbefreiung oder Studierender.


Abschließend möchten wir als GEB erneut unsere Zustimmung zu den notwendigen Maßnahmen im Sinne des Gesundheitsschutzes zum Ausdruck bringen. Weiterhin erkennen wir an, dass die hohe Belastung der Lehrkräfte, der Eltern und auch der Kinder ein Zeichen dafür ist, dass alle ihren Teil zur Bewältigung der Situation beitragen. Wir möchten mit dieser Stellungnahme das Meinungsbild in der Elternschaft darlegen und einen präventiven Beitrag leisten. In der aktuellen Phase muss das oberste Ziel die Entlastung der Lehrerinnen und Lehrer sein, damit sich diese wieder verstärkt auf die pädagogische Arbeit konzentrieren können und Schülerinnen und Schüler in der Distanzphase besser betreuen können.

Mit freundlichen Grüßen
GEB-GS und GEB-MS

Quelle: https://www.geb-fuerth.de/aktuelles/

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